Wie gelingt der Einstieg in neue Forschungsvorhaben und welche F?rderm?glichkeiten gibt es dafür? Im Rahmen von CZS vor Ort war die Carl-Zeiss-Stiftung am 19. Januar 2026 an der HFT Stuttgart zu Gast und stellte F?rderm?glichkeiten für Forschende vor. Ein Highlight: HFT-Professor:innen gaben Einblicke in ihren Antragsprozess und ihre gef?rderten Projekte ?PIPER-AD“ und ?OntoSPM-LLM“ im Programm CZS Forschungsstart. Die Veranstaltung bot Raum für Austausch, Fragen und Vernetzung.

Mit ?CZSvorOrt / Stuttgart“ veranstaltete die Carl-Zeiss-Stiftung im Alten Schloss in Stuttgart ihre bislang gr??te Netzwerkveranstaltung. Diese war Abschluss einer intensiven Woche mit Besuchen an sieben Standorten in der Region, darunter die Hochschule für Technik Stuttgart. Die Carl-Zeiss-Stiftung besuchte Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universit?ten in ihren F?rderregionen und brachte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Stiftung ins Gespr?ch. Im Mittelpunkt von CZS vor Ort an der Hochschule für Technik Stuttgart standen F?rderm?glichkeiten, Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und der direkte Austausch zwischen Forschenden und der Carl-Zeiss-Stiftung. Ziel des Formats ist es, Vernetzung und Dialog zu st?rken. 

Einblick in Forschung an der HFT Stuttgart

Zum Auftakt begrü?te Prof. Dr. Volker Coors, Prorektor für Forschung und Digitalisierung, die Teilnehmenden im Senatssaal. In seiner Einführung stellte er die Forschungsaktivit?ten an der HFT Stuttgart vor und zeigte auf, wie sich unterschiedliche Aktivit?ten im Sinne eines gemeinsamen Ziels bündeln lassen. Dabei ging es auch um die Bedeutung von Drittmitteln für die Forschungsarbeit und um die wachsende Rolle von Stiftungen als F?rderpartner.

F?rderprogramme der Carl-Zeiss-Stiftung im ?berblick

Im Anschluss stellte Programm-Managerin Dr. Monika Schatz die Carl-Zeiss-Stiftung und ihre F?rderm?glichkeiten vor und gab Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Stiftung. Wissenschaftler und Unternehmer Prof. Dr. Ernst Abbe gründete 1889 die Carl-Zeiss-Stiftung, die heute zu einer der gr??ten und ?ltesten wissenschaftsf?rdernden Stiftungen in Deutschland geh?rt. Die Stiftung sieht sich als Partner für vision?re und exzellente Wissenschaft und hat sich zum Ziel gesetzt, Freir?ume für wissenschaftliche Innovationen zu schaffen. 

Dr. Monika Schatz gab interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen ?berblick über Programme und beantwortete anschlie?end im pers?nlichen Dialog Fragen der Forschenden an der HFT Stuttgart. Schwerpunktthemen der CZS F?rderungen sind Künstliche Intelligenz, RessourcenEffizienz und Life Science Technologies, erg?nzt durch themenunabh?ngige Formate in den MINT-F?chern.

Dazu z?hlt auch das Talente-Personenf?rderprogramm CZS Forschungsstart, das neuberufenen Professorinnen und Professoren an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften den Einstieg in die Forschung erleichtert, indem erste Forschungsaktivit?ten mit bis zu 200.000 Euro für zwei Jahre gef?rdert werden. 

Im Rahmen der Ausschreibung CZS Forschungsstart zum Sommersemester 2025 f?rdert die Carl-Zeiss-Stiftung insgesamt neun neuberufene HAW-Professorinnen und -Professoren. Je drei F?rderprojekte wurden in Baden-Württemberg, Thüringen und Rheinland-Pfalz bewilligt. Zu den ausgew?hlten Vorhaben z?hlen auch die beiden HFT-Projekte ?PIPER-AD“ von Prof. Dr. Antje Muntzinger und ?OntoSPM-LLM“ von Prof. Dr. Darko Katic. Beide an der HFT Stuttgart neuberufenen Professor:innen pr?sentierten anschlie?end die gef?rderten Projekte und gaben Einblick in den Antragsprozess sowie ihre Forschung.

CZS Forschungsstart: HFT mit zwei Projekten gef?rdert

Im Mittelpunkt der Kurzvortr?ge standen die beiden Projekte ?PIPER-AD“ und ?OntoSPM-LLM“. Die Vorhaben ?OntoSPM-LLM: Ontologie-gesteuertes Large Language Model für die Chirurgie“ von Prof. Dr. Darko Katic und ?PIPER-AD: Physics Informed Perception for Autonomous Driving“ von Prof. Dr. Antje Muntzinger der Hochschule für Technik Stuttgart überzeugten die Carl-Zeiss-Stiftung und werden im Programm CZS Forschungsstart ab 2026 für 24 Monate gef?rdert. Beide Forschungsprojekte sind innerhalb des HFT-Forschungsschwerpunkts ?Smarte Technologien, Prozesse und Methoden“ eingebunden und dem Kompetenzzentrum für industrielle Anwendungen der Informatik und Mathematik (ZINA) zugeordnet.

OntoSPM-LLM

Prof. Dr. Darko Katic entwickelt im Projekt ?OntoSPM-LLM Ontologie-gesteuertes Large Language Model für die Chirurgie“ ein Large Language Model basiertes System, das medizinische Ontologien mit KI kombiniert. Ziel ist es, chirurgische Verfahren verst?ndlich zu machen und Wissen systematisch zug?nglich zu organisieren. 

In der modernen Chirurgie w?chst der Bedarf an interaktiven, KI-gestützten Assistenzsystemen, die chirurgisches Wissen systematisch organisieren und zug?nglich machen. Dieses Projekt entwickelt ein auf Large Language Models (LLMs) und Retrieval Augmented Generation (RAG) basierendes System, das medizinische Ontologien mit LLMs kombiniert, um eine semantisch fundierte Wissensbasis für die Chirurgie zu schaffen. Perspektivisch soll das System Medizin澳门太阳城集团den sowie Chirurgen:innen erm?glichen, durch natürliche Sprachinteraktionen chirurgische Verfahren zu verstehen, zu vergleichen und klinische Entscheidungen informierter zu treffen. Durch die Nutzung von Ontologien werden KI-Antworten konsistent, erkl?rbar und evidenzbasiert. Das beantragte Projekt erarbeitet ein natürlichsprachliches Chatsystem für die Medizin. Inspiriert von ?Rubber Duck Debugging“ soll der ?Rubber Duck“ als aktiver, kontextsensitiver Mentor, Kollege und Sparringspartner dienen, geschützt vor Halluzination durch Ontologien. Der Fokus liegt auf intraoperativen Prozessen in der Viszeralchirurgie.

PIPER-AD

Prof. Dr. Antje Muntzinger arbeitet im ?PIPER-AD: Physics Informed Perception for Autonomous Driving“ an einem KI-gestützten Wahrnehmungssystem zur robusten Erkennung und Verfolgung von Fahrzeugen auf Autobahnen. Durch physikalisches Wissen sollen neuronale Netze stabiler und sicherer für den Einsatz im autonomen Fahren werden. 

Prof. Dr. Antje Muntzinger, Professorin für Computer Vision

?In sicherheitskritischen Anwendungen reicht es nicht, dass KI meistens recht hat. Sie muss sich auch in Grenzf?llen physikalisch korrekt verhalten, sonst verlieren Menschen das Vertrauen in autonome Systeme.“ 

[Bild: Tamara Piombino, HFT Stuttgart]

Hochautomatisierte Fahrsysteme ben?tigen eine robuste und verl?ssliche Wahrnehmung anderer Verkehrsteilnehmer durch Fusion verschiedener Sensormodalit?ten. Moderne KI-basierte Systeme zur Objekterkennung liefern beeindruckende Resultate, sind jedoch h?ufig sensitiv gegenüber Datenrauschen, verdeckten Objekten und schwierigen Sicht- und Wetterbedingungen. Im Zentrum des Vorhabens steht die Entwicklung eines KI-gestützten Wahrnehmungssystems, das physikalisch konsistente und robuste Zustandssch?tzungen aus multimodalen Sensordaten erm?glicht.

Ziel ist ein System, das nicht nur zuverl?ssig Objekte erkennt, sondern deren Position, Geschwindigkeit und Ausrichtung realit?tsnah und stabil erfasst – auch unter schwierigen Bedingungen oder bei lückenhaften Trainingsdaten. Erreicht werden soll dies durch die Verknüpfung multimodaler Deep-Learning-Modelle mit physikalischem Vorwissen, wie im Ansatz der Physics-Informed Neural Networks (PINNs). Physikalische Rahmenbedingungen wie realistische Fahrzeugdynamik, L?ngenkonsistenz und Bewegung entlang der Fahrbahn werden direkt in das Trainingsverfahren integriert und dienen zur Regularisierung des neuronalen Netzwerks. Langfristig ist eine Erweiterung um Unsicherheitsquantifizierung vorgesehen.

Austausch in offener Atmosph?re

Zum Abschluss stand der pers?nliche Austausch im Mittelpunkt. In lockerer Runde konnten sich interessierte Forschende mit den Gef?rderten und Vertreterinnen der Carl-Zeiss-Stiftung vernetzen, Fragen stellen und Ideen weiterdenken. Damit bot CZS vor Ort an der HFT Stuttgart einen Rahmen, in dem F?rderm?glichkeiten, Forschungsprojekte und pers?nlicher Dialog eng zusammenkamen.

Die Carl-Zeiss-Stiftung schafft mit ihren F?rderprogrammen Freir?ume, damit an Hochschulen innovative Ideen erprobt und in die Anwendung gebracht werden k?nnen. Dank der F?rderung kann die Hochschule für Technik eine Vielzahl innovativer Forschungs- und Transferprojekte realisieren, die Fachwissen, Praxisbezug und nachhaltige Entwicklung verbinden.

Weitere von der Carl-Zeiss-Stiftung gef?rderte Projekte an der HFT Stuttgart

Im Programm CZS Rethink, das zum Ziel hat, Nachhaltigkeit in Ingenieurstudieng?ngen zu f?rdern, leiten Prof. Dr. Jan Cremers und Prof. Dr. Siri Krau? seit 2025 das Projekt ?NABI-HFT“. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung transdisziplin?ren Ans?tze im Bereich der Lehr- und Lernforschung mit folgenden Schwerpunktthemen: Nachhaltige Entwicklung und Klimakompetenz sowie ein effizienterer Umgang mit Ressourcen beim Planen und Bauen unter dem Aspekt von ?Reduce, Reuse, Recycle“. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden konkrete Ver?nderungen und Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Curricula der beteiligten Studieng?nge abgeleitet.

Im Alumni Programm CZS Plus entwickeln Prof. Dr.-Ing. Volker Coors und Prof. Dr. Ulrike Pado den ?HFT TransferBot“. Ziel des Projekts ist die Entwicklung und wissenschaftliche Begleitung eines ChatBots für die Hochschule für Technik Stuttgart am Beispiel eines TransferBots für den Transfer und die Vermittlung von Wissenschafts- und Forschungsergebnissen der HFT Stuttgart. 

SektorSim?

Netzwerkveranstaltung "CZS vor Ort" im Alten Schloss in Stuttgart: Pr?sentation zu aktuellen Erkenntnissen und Entwicklungen aus dem Projekt ?SektorSim?“

SektorSim?

Im Programm CZS Transfer Energiesysteme der Zukunft analysiert das Projekt ?SektorSim3“ unter Leitung von Prof. Dr. Bastian Schr?ter die Wechselwirkungen zwischen den Sektoren W?rme, Strom und Mobilit?t in verschiedenen Quartiersarchetypen. Errechnet werden dabei v.a. die zukünftigen Lasten durch W?rmepumpen, Elektromobilit?t, Aufdach-PV und zum Haushaltsstrombedarf je Quartiersart addiert, um u.a. auch die Belastung von Verteilnetzen zu ermitteln. Die Ergebnisse sollen deutschlandweit für beliebige Quartiere anwendbar sein und damit planerische Grundlagen für v.a. Stromverteilnetzbetreiber schaffen. Prof. Dr. Schr?ter pr?sentierte bei der Abendveranstaltung CZS vor Ort im Alten Schloss aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen aus dem Projekt ?SektorSim3“.

Ver?ffentlichungsdatum: 11. Februar 2026